Verwaltung


Norwegen ist das einzige Land Europas, in dem es noch Nachkommen des ursprünglich wilden Tundrarentiers gibt. Wir tragen daher eine besondere Verantwortung für die Erhaltung und Verwaltung des Wildrentiers, damit auch zukünftige Generationen überlebensfähige Bestände des Wildrentiers erleben können. Die Wildrentierverwaltung in Norwegen ist zum Teil kompliziert und umfassend und vollzieht sich auf verschiedenen Ebenen.

Gemeinden

Die Gemeinden tragen die Hauptverantwortung für die Flächenverwaltung, die gemäß norwegischem Planungs- und Baugesetz erfolgt. Der Teil des Gemeindeplans zur Flächenverwaltung ist rechtsverbindlich und ist daher ein äußerst wichtiges Dokument. Es ist von ausschlaggebender Bedeutung, dass der Inhalt übergeordneter Pläne in die Gemeindepläne aufgenommen wird und dass der Bewahrung des Wildrentierbestandes in den Gemeindeplänen genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Gemeinden sollen sich in einem frühen Stadium des Planungsprozesses mit den Interessenvertretern der Bewahrung des Wildrentierbestandes beraten und mit ihnen zusammenarbeiten, und die Interessenvertreter ihrerseits sollen die Gemeinden aktiv zu einer derartigen Zusammenarbeit auffordern.

 

Die Verwaltung des Svalbard-Rentiers

Die Verwaltung des Svalbard-Rentiers (Rangifer tarandus platyrhynchus) unterscheidet sich von der Verwaltung des Wildrentiers (Rangifer tarandus) auf dem Festland. Das Umweltministerium (MD) trägt die übergeordnete Verantwortung ebenso für die Umweltschutzverwaltung auf Svalbard, während das Direktorat für Naturverwaltung die fachliche Verantwortung für die Artenverwaltung auf der Inselgruppe hat. Die praktische Durchführung der Verwaltungsaufgaben obliegt dem Regierungsbevollmächtigten (norw. „Sysselmann“) auf Svalbard. Die Arbeits- und Rollenverteilung zwischen Umweltministerium und den anderen Verwaltungseinheiten sind in einer eigenen Dienstvorschrift für die Umweltschutzverwaltung auf Svalbard enthalten.

 

Die Unterart Svalbard-Rentier gibt es nur auf Svalbard und sonst nirgends auf der Welt, was bedeutet, dass Norwegen eine besondere internationale Verantwortung auch für diese Unterart des Rentiers trägt. Man hat mit der Arbeit an einem neuen Verwaltungsplan für das Svalbard-Rentier begonnen. In diesem Plan werden die Richtlinien für die zukünftige Verwaltung des Svalbard-Rentiers festgelegt. Mehr Information über das Rentier auf Svalbard und dessen Verwaltung finden Sie auf Svalbards eigener Seite über Wildrentiergebiete.

Das Umweltministerium (MD) ist als politisches Organ unter anderem für die Ausarbeitung der Jahresbudgets verantwortlich und hat darauf zu achten, dass die Beschlüsse, die vom Storting und der Regierung gefasst werden, auch realisiert werden. Das Direktorat für Naturverwaltung (DN) ist das höchste Fachorgan für Rentierangelegenheiten und ist unter anderem für die Ausarbeitung von Vorschriften, die Anwendung von finanziellen Mitteln, die Ermittlung des Wissensbedarfs sowie für die Finanzierung der Forschung und der Überwachung verantwortlich. Das DN ist auch eine Beschwerdeinstanz für Beschlüsse, die von den öffentlichen Wildrentier-Ausschüssen, z. B. über Abschussquoten, gefasst werden. Die Umweltschutzabteilung des Fylkesmanns spielt eine wichtige Rolle bei der Flächenverwaltung im Hinblick auf die Berücksichtigung des Rentierbestandes. Sie kann z. B. Widerspruch gegen Pläne einlegen. Der Fylkesmann berät und orientiert die Wildrentier-Ausschüsse und Kommissionen, und ist für die Finanzen der Wildrentierausschüsse verantwortlich. Für jeden Wildrentier-Ausschuss ist ein Fylkesmann zuständig.

 

Die tägliche Verwaltung der Wildrentiergebiete geschieht in Zusammenarbeit zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor. Die Hauptverantwortung für den täglichen Betrieb liegt bei dem Organ der Grundeigentümer, häufig Wildrentier-Kommission genannt, während die Ausübung der öffentlichen Befugnisse von den staatlichen Wildrentier-Ausschüssen wahrgenommen wird. Der Wildrentier-Rat in Norwegen ist eine freiwillige Organisation, die als Bindeglied zwischen den Wildrentiergebieten dienen und deren Interessen wahrnehmen soll, indem sie Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse behandelt. In dieser Organisation können sowohl Wildrentier-Kommissionen als auch –Ausschüsse Mitglied sein.

 
Außerdem ist es üblich, die Verwaltung des Wildrentiers in zwei Hauptkategorien einzuteilen – in Flächenverwaltung und Bestandverwaltung.

 

Die Wildrentier-Kommission

Die Wildrentier-Kommission ist ein Zusammenschluss der Grundeigentümer sowie von lokalen Ausschüssen (oft pro Gemeinde) und Grundbesitzervereinen. Die Hauptaufgaben der Kommission lassen sich in folgende Hauptbereiche einteilen:

 

  • Organisation der Grundeigentümer und der Jagd.
  • Verwaltung des Bestands: Durchführung von Zählungen und Registrierungen, Ausarbeitung von Zielsetzungen für die Entwicklung des Bestands, Plan für die Realisierung der Ziele und Vorschläge zu jährlichen Abschussquoten.
  • Als Kontaktorgan zwischen Grundeigentümern und Behörden zu fungieren.
  • Verwaltung und Bewahrung der Lebensräume des Wildrentiers.

 

Das Revier ist die Einheit, der der Wildrentier-Ausschuss die Abschussquote zuteilt. Es wird auf Antrag vonseiten der Grundeigentümer etabliert und wird als Einheit gemäß den Forderungen der Vorschriften zur Verwaltung des Hirschwildbestandes definiert. Die Größe der Reviere variiert in den einzelnen Wildrentiergebieten. In einigen Gebieten decken sie das gesamte Wildrentiergebiet, während es in anderen Wildrentiergebieten mehrere Reviere gibt.

 

Der Wildrentier-Ausschuss

Hierbei handelt es sich um einen öffentlichen Ausschuss, dessen Mitglieder und stellvertretende Mitglieder vom Direktorat für Naturverwaltung ernannt werden. Die Gemeinden mit Wildrentiergebieten schlagen einen männlichen und einen weiblichen Kandidaten innerhalb des Wirkungsbereichs des Ausschusses vor. Der Ausschuss untersteht dem DN, und die Aufgaben des Ausschusses sind in den Vorschriften des Direktorats für Naturverwaltung enthalten. Sie bestehen unter anderem in der Genehmigung der Reviere, in der Durchführung von Zählungen, Ausarbeitung von Plänen für die Bewahrung des Bestandes, Festlegung von jährlichen Abschussquoten sowie in der Teilnahme an der Flächenverwaltung in den Fylke und Gemeinden im Hinblick auf Bewahrung und tragfähiger Verwaltung der Lebensräume des Wildrentiers. Dieser Ausschuss ist sozusagen das ausführende Organ der Befugnisse und das „Sprachrohr“ des Wildrentiers.

 

Alle Gemeinden sollen Fragen zu Plänen und zur Flächenverwaltung, die das Wildrentier und seinen Lebensraum betreffen, an den Wildrentier-Ausschuss als Hörungsinstanz in derartigen Angelegenheiten übersenden.

 

Das Direktorat für Naturverwaltung (DN) hat neue Wildrentier-Ausschüsse für die Periode 2008 – 2011 ernannt. Zum ersten Mal haben sämtliche Wildrentier-Ausschüsse einen Frauenanteil von 40 % oder mehr. Dies ist das Ergebnis von Änderungen der Vorschriften zur Verwaltung des Hirsch- und Bieberbestandes vom 15. September 2007. Die neuen Wildrentier-Ausschüsse werden in Übereinstimmung mit dem Gleichstellungsgesetz ernannt.

 

Gemäß den Änderungen der Vorschriften sind die 23 ehemaligen Wildrentier-Ausschüsse in 9 regionalen Ausschüssen zusammengefasst worden, von denen ein Großteil die Verantwortung für die Verwaltung von mehreren Wildrentiergebieten trägt. Darüber hinaus fungiert die Gemeinde Tolga als Wildrentier-Ausschuss für das Wildrentiergebiet Tolga Østfjell.